Goldmarkt aktuell · Einordnung

Die Fed erhöht die Zinsen – warum steigt Gold trotzdem?

Sergej Vassilevski

Stand: 27. September 2026. Die beschriebene Marktreaktion bezieht sich auf die Woche bis zum 18. September 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Fed hat die Zinsen angehoben: Seit dem Beschluss vom 16. September liegt die Zielspanne bei 3,75 bis 4,00 Prozent. Die Erhöhung betrug 0,25 Prozentpunkte. Federal Reserve
  • Gold legte in derselben Woche trotzdem zu – obwohl auch der US-Dollar und die Anleiherenditen stiegen. Ein höherer Leitzins bestimmt den Goldpreis also nicht allein. World Gold Council, Wochenbericht vom 21. September
  • Entscheidend ist das Zusammenspiel: Inflationserwartungen, Nachfrage nach Gold, politische Risiken und Vertrauen in die Staatsfinanzen können den Zinseffekt überlagern.
  • Europas Goldreserven sind in Bewegung. Deutschlands große Rückholung wurde bereits 2017 abgeschlossen. Frankreich und die Niederlande haben zuletzt ihre Lagerung verändert; die konkreten Vorgänge unterscheiden sich.
  • Für den eigenen Goldwert zählt die Rechnung in Euro: Wer einen Verkauf erwägt, sollte neben dem Goldkurs auch Gewicht, Feingehalt und den tatsächlich angebotenen Ankaufspreis kennen.

Ein höherer Zins klingt nach einem überzeugenden Angebot: Wer Geld anlegt, bekommt mehr dafür. Gold zahlt dagegen weder Zinsen noch Dividenden. Eigentlich müsste eine Zinserhöhung das Edelmetall deshalb weniger attraktiv machen.

Doch diese Rechnung hat mehrere Unbekannte. Was bleibt vom Zinsertrag nach der Inflation? Welche Risiken möchten Käufer absichern? Und wie viel einer angekündigten Zinserhöhung haben die Märkte längst vorweggenommen?

Die jüngste Entwicklung liefert einen Anlass, genauer hinzusehen. Wer verstehen möchte, warum der Goldpreis trotz steigender Zinsen zulegen kann, muss über den einzelnen Fed-Beschluss hinausblicken.

Warum höhere Zinsen Gold normalerweise unter Druck setzen können

Gold steht im Wettbewerb mit anderen Möglichkeiten, Vermögen zu halten. Steigen die realen Erträge vergleichsweise sicherer verzinslicher Anlagen, kann das Gold weniger attraktiv machen. Zusätzlich kann ein stärkerer Dollar den Kauf von Gold für Menschen mit anderen Währungen verteuern.

Dabei macht ein Begriff den Unterschied: Realzins. Gemeint ist der Zins nach Berücksichtigung der Inflation. Vereinfacht gerechnet bleiben bei vier Prozent Zinsen und drei Prozent Inflation ungefähr ein Prozent Kaufkraftgewinn – vor Steuern. Für heutige Anlageentscheidungen ist vor allem die erwartete Inflation über den jeweiligen Anlagezeitraum relevant. Die Europäische Zentralbank erklärt den Unterschied zwischen Nominalzins und Realzins.

Der Leitzins der Fed ist außerdem kein Sparzins, den jeder erhält, und keine vollständige Beschreibung der Kapitalmärkte. Anleger berücksichtigen unterschiedliche Laufzeiten, Risiken und ihre Erwartungen an kommende Entscheidungen. Eine einzelne Zahl reicht deshalb nicht als Goldpreis-Prognose.

Was im September 2026 anders lief

Der World Gold Council, der Branchenverband der Goldindustrie, beschreibt für die Woche bis zum 18. September eine bemerkenswerte Kombination: Gold stieg, während Dollar und Anleiherenditen ebenfalls zulegten. Zugleich verzeichneten Gold-ETFs in mehreren Weltregionen Zuflüsse. Der Bericht verweist auch auf die angespannten Verhältnisse im Nahen Osten und Sorgen um die Ölversorgung. Welche Faktoren den Goldanstieg genau verursachten, lässt sich laut den Autoren allerdings nicht eindeutig bestimmen. WGC-Marktbericht

Unsere Einordnung: Die Beobachtung zeigt, dass Zinsen und Gold kurzfristig in dieselbe Richtung laufen können. Sie beweist weder einen dauerhaften Bruch alter Zusammenhänge noch einen Zusammenbruch des Vertrauens in den Dollar. Eine plausible Erklärung ist, dass andere Kaufmotive in dieser Woche stärker wirkten als die höheren Zinsen.

Über 40 Billionen Dollar US-Schulden: Warum diese Zahl mitdiskutiert wird

Die gesamte ausstehende US-Bundesschuld lag laut US-Finanzministerium am 24. September 2026 bei rund 40,07 Billionen US-Dollar. Darin enthalten sind auch Forderungen staatlicher US-Einrichtungen gegenüber dem Bund. Die Zahl bezeichnet einen Schuldenbestand, nicht das jährliche Haushaltsdefizit. US Treasury: Debt to the Penny

Für die Finanzierung eines Staates können höhere Zinsen zwei Seiten haben: Sie sollen die Inflation begrenzen, verteuern aber bei entsprechenden Marktrenditen neue Kredite und die Anschlussfinanzierung fälliger Schulden. Bestehende festverzinste Schulden werden dabei nicht über Nacht vollständig teurer.

Der World Gold Council sieht Sorgen über Defizite und Schulden als einen möglichen Grund für die Attraktivität von Gold. Das ist eine Markteinschätzung, keine gesicherte Erklärung jeder Kursbewegung. WGC-Goldmarktkommentar vom 9. September

Aus einer hohen Schuldenzahl allein folgt weder eine bevorstehende Zahlungsunfähigkeit noch automatisch ein steigender Goldpreis. Für die Tragfähigkeit zählen auch Wirtschaftsleistung, Einnahmen, Zinskosten und die weitere Haushaltspolitik. Die interessante Frage lautet deshalb: Wie überzeugend erscheint Anlegern der langfristige Umgang mit diesen Verpflichtungen?

China kauft Gold: Was die gemeldeten Reserven zeigen

Nach der Auswertung offizieller Reservemeldungen durch den World Gold Council erhöhte Chinas Zentralbank ihre Goldbestände im August 2026 um rund 20 Tonnen. Damit meldete sie den 22. monatlichen Zuwachs in Folge; der Bestand erreichte rund 2.387 Tonnen. WGC: Chinas Goldmarkt im September 2026

Das zeigt eine anhaltende Nachfrage eines großen Reservehalters. Es verrät jedoch nicht, zu welchen Kursen private Anleger kaufen oder verkaufen sollten. Zentralbanken verfolgen andere Ziele und oft längere Zeithorizonte. Auch lässt sich daraus allein keine Aussage über eine unmittelbar bevorstehende Abkehr vom Dollar ableiten.

Holt Europa sein Gold zurück? Deutschland, Frankreich und die Niederlande im Vergleich

Bei Goldreserven geht es auch darum, wo sie lagern und wie schnell sie im Bedarfsfall verfügbar sind. „Europa holt sein Gold zurück“ fasst allerdings sehr unterschiedliche Entscheidungen zusammen.

Land Was tatsächlich belegt ist
Deutschland Zwischen 2013 und 2017 verlagerte die Bundesbank 674 Tonnen nach Frankfurt: 300 Tonnen aus New York und 374 Tonnen aus Paris. Das Programm wurde 2017 abgeschlossen. Bundesbank
Frankreich Die Banque de France erläuterte 2026 den Verkauf von 129 Tonnen in New York und den Ersatz durch Gold in Europa. Als Grund nennt sie die Anpassung an ihren angestrebten Barrenstandard. Die Gesamtmenge der Reserven blieb unverändert. Banque de France
Niederlande Zwischen März und August 2026 verlagerte die Zentralbank rund 86 Tonnen aus nordamerikanischen Lagerbeständen nach London, überwiegend durch Verkauf und Ersatzkauf. Sie nennt bessere Handelbarkeit und Krisenvorsorge als Ziele. Der inländische Anteil blieb unverändert. De Nederlandsche Bank

Für Deutschland ist die Zeitangabe besonders wichtig: Zum Jahresende 2025 lagen weiterhin rund 1.236 Tonnen in New York, neben 1.710 Tonnen in Frankfurt und 404 Tonnen in London. Bundesbank-Jahresabschluss 2025

2026 gab es politische Forderungen nach einer weiteren Rückholung. Bundesbankpräsident Joachim Nagel erklärte jedoch im Mai, er sehe dafür keinen Anlass und halte das Gold in New York für sicher verwahrt. Eine neue laufende deutsche Rückholaktion ist in den für diesen Beitrag geprüften offiziellen Quellen nicht bestätigt. Bundestag zur Rückholungsforderung, Bundesbank zur Position Nagels

Diese Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Zentralbanken Sicherheit, direkten Zugriff und Zugang zu Handelsplätzen gewichten. Eine Verlagerung vorhandenen Goldes schafft dabei nicht automatisch zusätzliche Goldnachfrage. Sie ist auch für sich genommen kein Beleg dafür, dass eine Zentralbank den Dollar aufgibt.

Goldpreis in Euro: Was für deutsche Goldbesitzer zählt

Internationale Schlagzeilen nennen häufig den Goldpreis in US-Dollar je Feinunze. Für einen Goldverkauf in Deutschland zählt dagegen der Wert in Euro. Der Wechselkurs kann eine Bewegung des Dollar-Goldpreises verstärken oder abschwächen: Wird der Euro bei unverändertem Dollar-Goldpreis stärker, sinkt rechnerisch der Euro-Goldpreis. Wird er schwächer, steigt dieser.

Hinzu kommt der Unterschied zwischen Börsenpreis und Ankaufspreis. Der Goldkurs allein sagt noch nicht, welchen Betrag eine Kette, ein Ring oder einige Stücke Altgold erzielen. Dafür sind unter anderem der tatsächliche Goldanteil, das vergütbare Gewicht und die Preisbedingungen des Ankäufers maßgeblich.

Ein Beispiel: 585er Gold enthält bei entsprechend bestätigtem Feingehalt 58,5 Prozent Gold. Zehn Gramm dieser Legierung enthalten somit 5,85 Gramm Feingold. Ein Ankaufspreis, der bereits ausdrücklich für ein Gramm 585er Gold gilt, berücksichtigt diesen Anteil schon – Sie rechnen ihn nicht ein zweites Mal heraus.

Im Valoora-Goldrechner können Sie Ihren voraussichtlichen Ankaufswert berechnen. Die ausgewiesenen Abzüge sind im angezeigten Betrag bereits berücksichtigt. Der Rechnerwert ist eine Orientierung; für die spätere Abrechnung zählen die festgestellten Materialeigenschaften und die vereinbarten Preisbedingungen.

Gold verkaufen oder behalten: Die eigene Entscheidung vorbereiten

Eine ungewöhnliche Börsenwoche sagt Ihnen nicht, was Sie mit einem persönlichen Schmuckstück tun müssen. Wer Altgold verkaufen möchte, kann sich zunächst drei Fragen stellen:

  1. Welche Stücke brauche oder trage ich noch? Erinnerungswert und Materialwert sind unterschiedliche Dinge. Bei besonderen Schmuckstücken oder seltenen Münzen kann außerdem ein Wert über dem Metallwert liegen.
  2. Welchen Betrag könnte ich tatsächlich erhalten? Vergleichen Sie vollständige Angebote für dieselbe Legierung und denselben Bewertungszeitpunkt. Achten Sie auf ausgewiesene Abzüge und mögliche weitere Kosten.
  3. Passt der Verkauf zu meinem Vorhaben? Ein konkreter Verwendungszweck für den Erlös hilft oft mehr als die Suche nach einem perfekten Höchstkurs, der sich vorab nicht zuverlässig erkennen lässt.

Wenn Sie sich für eine Einsendung entscheiden, können Sie bei Valoora eine kostenlose Versandtasche anfordern. Die Versandseite erklärt auch die Bedingungen und die Möglichkeit eines Werttransports für höhere Werte.

Gold zahlt keine Zinsen. Trotzdem kann es gefragt bleiben, wenn Menschen und Institutionen Reserven halten, Risiken verteilen oder ihre Kaufkraft absichern möchten. Sein Preis kann dabei auch deutlich fallen. Wer Gold besitzt, gewinnt deshalb vor allem durch eines: die Zusammenhänge verstehen, den eigenen Goldwert kennen und bewusst entscheiden.

Quellenstand: 27. September 2026. Marktbeobachtung, historische Vorgänge und redaktionelle Einordnung sind im Text getrennt gekennzeichnet. Die genannten Entwicklungen sind keine Kursprognose.

Aktueller Goldkurs: 117,24 €/g Feingold (Londoner Spotmarkt) · Aktuelle Ankaufspreise für Ihr Gold
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