Goldmarkt aktuell · Einordnung
Gold aus Quecksilber: Wird unser Gold jetzt weniger wert?
Sergej VassilevskiRecherchestand: 25. Oktober 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Versuch mit großer Wirkung: Das US-Startup Marathon Fusion meldet, Quecksilber in echtes Gold umgewandelt zu haben.
- Die mögliche Menge: Mehr als zwei Tonnen pro Jahr sind für eine große künftige Anlage berechnet. Weltweit fördern Minen jährlich mehrere Tausend Tonnen Gold.
- Die eigentliche Herausforderung liegt vor den Forschern: Für eine industrielle Produktion braucht es leistungsfähige Anlagen, tragfähige Kosten und einen sicheren Umgang mit radioaktiven Bestandteilen.
- Was das für Goldbesitzer bedeutet: Die Meldung eröffnet eine spannende Zukunftsperspektive. Ein baldiges Überangebot an billigem Gold ist damit bisher nicht in Sicht.
Gold herstellen – diese Idee beschäftigt Menschen seit Jahrhunderten. Jetzt sorgt ein Unternehmen aus San Francisco für neue Aufmerksamkeit: Marathon Fusion hat nach eigenen Angaben Quecksilber in Gold verwandelt. Möglich machen soll das eine Technik aus der Fusionsforschung.
Das berührt eine Frage, die weit über das Labor hinausreicht. Wer einen goldenen Ring trägt, Münzen besitzt oder Schmuck geerbt hat, verbindet mit dem Edelmetall auch seine Seltenheit. Was passiert mit diesem Wert, wenn Menschen Gold künftig selbst herstellen können?
Die Antwort steckt in drei Dingen: der Menge, der Zeit und den Kosten. Wer sie genauer betrachtet, entdeckt hinter der spektakulären Meldung eine faszinierende Idee – und versteht, warum der Weg zum Gold aus industrieller Produktion noch lang ist.
Ein Experiment in San Francisco lässt aufhorchen
Am 21. Oktober 2026 berichtete Marathon Fusion von einem erfolgreichen Versuch im Vormonat. Dabei sei aus Quecksilber stabiles Gold entstanden. Eine konkrete Ausbeute in Gramm oder Kilogramm nennt die Unternehmensmitteilung bislang nicht. Der gemeldete Erfolg betrifft damit zunächst die Umwandlung selbst. Zur Mitteilung von Marathon Fusion
Besonders interessant ist die Idee dahinter: Ein künftiges Fusionskraftwerk könnte gleichzeitig Energie und Gold erzeugen. Das Edelmetall wäre ein zusätzliches Produkt, dessen Verkauf die aufwendige Technik mitfinanzieren soll. Aus Sicht des Unternehmens gehören die Energieversorgung von morgen und die Goldherstellung deshalb zusammen. Marathon Fusion erklärt sein Konzept
Wie aus Quecksilber Gold werden kann
Der entscheidende Vorgang spielt sich im Innersten der Materie ab. Welches Element wir vor uns haben, entscheidet sich im Atomkern. Wird dieser passend verändert, kann aus einem Element ein anderes entstehen.
Marathon nutzt dafür besonders energiereiche Teilchen aus Fusionsreaktionen, sogenannte Neutronen. Sie treffen auf speziell vorbereitetes Quecksilber und lösen eine Umwandlung aus, an deren Ende Gold entsteht. Das Ziel ist echtes Gold mit denselben chemischen Eigenschaften wie das Edelmetall, das wir kennen. So beschreibt Marathon das Verfahren
Für den Goldmarkt wird daraus eine praktische Frage: Wie viel lässt sich auf diese Weise zuverlässig herstellen?
Zwei Tonnen Gold – wie viel ist das eigentlich?
Die Forscher haben berechnet, dass eine entsprechend ausgelegte Anlage jährlich mehr als zwei Tonnen Gold je Gigawatt Wärmeleistung erzeugen könnte. Ein Gigawatt beschreibt hier die Leistung eines großen Fusionssystems. Die Zahl stammt aus einer Computersimulation für eine zukünftige Anlage. Zur ursprünglichen Forschungsarbeit
Zwei Tonnen Gold wären für ein einzelnes Unternehmen eine beachtliche Menge. Im weltweiten Angebot sieht die Größenordnung so aus:
| Goldquelle | Jahresmenge |
|---|---|
| Weltweite Minenförderung 2025 | rund 3.672 Tonnen |
| Weltweites Goldrecycling 2025 | rund 1.404 Tonnen |
| Gold aus Fusion: Rechengröße für ein großes künftiges System | 2 Tonnen |
Die Werte für Minenförderung und Recycling stammen aus dem Jahresbericht des World Gold Council vom Januar 2026. Die zwei Tonnen sind eine gerundete Vergleichsgröße für das oben beschriebene Modell. World Gold Council: Goldangebot 2025
Anschaulich wird der Unterschied mit einem Blick auf die Uhr: Die Goldminen der Welt fördern im Jahresdurchschnitt dieselben zwei Tonnen in weniger als fünf Stunden. Das entspricht rund 0,05 Prozent ihrer Jahresproduktion – von uns auf Basis der genannten WGC-Zahlen berechnet.
Eine einzelne Anlage würde das weltweite Angebot also nur geringfügig ergänzen. Größere Bedeutung bekäme das Verfahren, wenn viele Anlagen wirtschaftlich arbeiten und ihr Gold regelmäßig auf den Markt bringen könnten.
Warum dieses Gold Zeit brauchen könnte
Bei der Herstellung gibt es eine weitere Herausforderung: Neben dem gewünschten stabilen Gold können radioaktive Bestandteile entstehen. Ihre Strahlung nimmt mit der Zeit ab. Das gewonnene Material könnte deshalb zunächst für viele Jahre gelagert werden müssen.
In einer Berechnung kommen die Forscher auf rund 18 Jahre, bis ein besonders niedriger Vergleichswert für die Reststrahlung erreicht wäre. Die Dauer hängt unter anderem von der Zusammensetzung des Materials und der Reinheit des verwendeten Quecksilbers ab. Forschungsarbeit, Abschnitt zur Radioaktivität
Für ein Unternehmen wäre eine solche Wartezeit ein erheblicher Planungsfaktor. Bau und Betrieb einer Anlage kosten laufend Geld. Wenn das erzeugte Gold erst deutlich später genutzt und verkauft werden kann, müssen diese Jahre finanziell überbrückt werden. Zeit gehört damit genauso zur Rechnung wie die produzierte Menge.
Vom Labor zur Goldproduktion ist es ein weiter Weg
Eine funktionierende Kernreaktion ist ein wichtiger Anfang. Für eine industrielle Goldquelle braucht es eine Anlage, die über lange Zeit zuverlässig arbeitet, sich warten lässt und deren Kosten durch die Erlöse gedeckt werden. Marathon beschreibt auf seiner Website derzeit den Bau eines kleinen Reaktors und seine Pläne für spätere kommerzielle Fusionskraftwerke. Zum Entwicklungsstand bei Marathon Fusion
Wie stark die Kosten von Bauaufwand, Leistung und Betriebsdauer abhängen, untersucht auch eine Forschungsarbeit aus dem Jahr 2026. Zusätzliche Einnahmen aus wertvollen Materialien könnten helfen, Fusion wirtschaftlich zu machen. Wie gut das im Alltag einer Anlage funktioniert, muss sich im Betrieb zeigen. Studie zu den Kosten der Fusionstechnik
Für den Goldmarkt zählt am Ende, was eine Anlage tatsächlich liefert: verkaufsfähiges Gold zu einem tragfähigen Preis. Ein verlässlicher Herstellungspreis pro Gramm lässt sich aus den bislang veröffentlichten Angaben noch nicht ableiten.
Was bedeutet das für den Wert Ihres Goldes?
Marathons Versuch macht eine ungewöhnliche Zukunft vorstellbar: Gold könnte eines Tages auch dort entstehen, wo Energie erzeugt wird. Wie groß diese zusätzliche Quelle werden kann, hängt vom weiteren Fortschritt der Technik ab.
Aus heutiger Sicht gibt es deshalb keinen belastbaren Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Goldschwemme durch dieses Verfahren. Für Goldbesitzer lässt sich daraus ebenso wenig ein bestimmter künftiger Goldpreis ableiten. Entscheidend wird sein, ob und wann tatsächlich nennenswerte Mengen zu konkurrenzfähigen Kosten verfügbar sind.
Wer wissen möchte, was der eigene Schmuck oder geerbtes Altgold heute wert ist, kann dagegen ganz konkret beginnen: mit dem Gewicht, dem Edelmetallanteil und den aktuellen Ankaufspreisen. Eine einzelne technische Neuigkeit ersetzt diese Bewertung nicht.
Die Goldquelle, die heute schon funktioniert
Während Forscher an neuen Wegen arbeiten, kehrt jeden Tag vorhandenes Gold in den Kreislauf zurück. Aus alten Ringen, gerissenen Ketten oder nicht mehr benötigtem Zahngold lässt sich Edelmetall zurückgewinnen. Wie das funktioniert, erklären wir in unserem Beitrag über Goldrecycling.
Genau hier setzt Valoora an. Mit unserem Goldrechner erhalten Sie eine erste Orientierung zum Ankaufswert Ihrer Stücke. Die ausgewiesenen Abzüge sind im Ergebnis bereits berücksichtigt; die abschließende Bewertung erfolgt nach Prüfung Ihrer Einsendung.
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